Sarah Behnke

Get Up, Stand Up!

Auf dem Markt von Agona Swedru bitte ich einen Schuster um die Reparatur eines Schuhs. Während ich ihm dabei zusehe, wie er mit geschickten Händen den ausgerissenen Riemen wieder an der Sohle befestigt und mit einem starken Faden festzurrt, erklingt aus dem Radio Bob Marleys und Peter Toshs berühmtes Lied „Get Up, Stand Up“. Bereits die ersten Takte der eingängigen Melodie verleiten mich unwillkürlich dazu, meinen Kopf zum Rhythmus der Musik zu bewegen.

Plötzlich bemerke ich, dass auch der Schuster anfängt, sich rhythmisch zu bewegen und dabei die Melodie des berühmten Reggae-Songs zu summen. Zwei schräg hinter mir sitzende Männer, die gerade noch mit dem Auszutschen ihrer Mangos beschäftigt waren, stimmen keine zehn Sekunden später lauthals in den Refrain ein, womit auch sie nicht allein bleiben: Ein Ladenbesitzer, der links von mir allein auf einer Bank vor seinem kleinen Geschäft sitzt, singt voller Inbrunst die berühmten Zeilen „Get up, stand up, stand up for your rights! Get up, stand up, don’t give up the fight!“

Auch der Schuster ist mittlerweile vom Summen zum Singen übergegangen, sodass ich nicht anders kann, als ebenfalls in den kleinen Chor einzustimmen. Ein wenig komisch fühle ich mich dabei erst, als mir bewusst wird, dass ich gerade als einzige weiße Frau gemeinsam mit Schwarzen Männern ein Lied singe, welches wie kaum ein anderes dazu aufruft, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen, um den Kampf um Freiheit und gleiche Rechte für alle endlich zu gewinnen.

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Wir Kinder von Tamale

Nach einem Spaziergang über den Markt von Tamale setze ich mich für eine kurze Pause auf eine Bank am Busbahnhof. Nur wenige Augenblicke später steuert eine Jugendliche mit einem Korb voller Wasserpäckchen auf dem Kopf und einem kleinen Mädchen an der Hand ebenfalls in meine Richtung. Sie stellt ihren schweren Korb vor ihren Füßen ab, setzt sich neben mich auf die Bank und zieht das kleine Mädchen zu sich heran. Barika, die eigentlich schon viel reifer wirkt, ist gerade mal 12 Jahre alt und verkauft Wasser auf dem Markt, um ihre Familie ein wenig zu unterstützen. Mit dabei ist immer ihre kleine Schwester Aishe, die kaum etwas sagt und mich verlegen anschaut. Ich unterhalte mich ein wenig mit Barika und als Aishes Augen mit Blick auf das Angebot eines Eisverkäufers größer werden, zögere ich nicht lange und spendiere den beiden eine Runde FanYogo und FanDango – das berühmte Erdbeerjoghurt- bzw. Multivitamineis in der Plastiktüte.

Wasser verkaufende Kinder in Tamale (Northern Region, Ghana)

Wir verweilen noch etwas auf der Bank, als mir plötzlich wieder bewusst wird, warum ich mich eigentlich auf dem Busbahnhof niedergelassen habe. Ich frage Barika, wo der Bus nach Wa abfährt, weil ich am nächsten Morgen diese Linie nutzen möchte, um bis nach Larabanga zum Mole Nationalpark zu kommen. Sie erklärt mir, dass dieser Bus woanders abfährt und bietet mir an, mich dorthin zu führen – ein Angebot, das ich gerne annehme. Nach dem verhältnismäßig weiten Weg bis zum Abfahrtsort des Busses möchte Barika mir gerne ihr Zuhause zeigen. Der Weg ist unglaublich lang und zwischendurch halten wir immer wieder an, da einige Leute Wasser kaufen möchten. Nach und nach wird ihr Korb leerer und damit auch spürbar leichter und Barika nutzt den Zwischenstopp zu Hause, um ihn wieder mit neuen Wasserpäckchen zu füllen. Ich …

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Das perfekte Setting.

Das unvergleichliche Charakteristikum Bongos, eines Dorfes unweit der Grenze zu Burkina Faso im hohen Norden Ghanas, ist seine skurrile Felslandschaft. Überall liegen mächtige Felsbrocken herum, die sich zum Teil zu ganzen Bergen auftürmen – gleich so, als hätte ein Riese unzählige Steine gesammelt, um sie zu unterschiedlich hohen Hügeln aufzustapeln und den Rest willkürlich in der Landschaft zu verstreuen. Zwischen den Felsbrocken wachsen Jahrzehnte alte Affenbrotbäume, die die ohnehin schon bizarr wirkende Landschaft nach Einbruch der Dunkelheit zur perfekten Szenerie für einen Horrorfilm machen. Unter strahlend blauem Himmel allerdings wirkt die Felslandschaft sehr attraktiv und lädt zu schönen Wanderungen mit spaßigen Kletterphasen ein.

Affenbrotbäume in Bongo (Upper East Region, Ghana)

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Tour durch Togo

Mit dem 7-Tage-Visum reise ich einmal quer durch Togo. Zwischen tropischem Grün des Südens und verbrannter Erde des Nordens erlebe ich innerhalb weniger Tage das komplette landschaftliche Spektrum eines schmalen Landes, das viel zu bieten hat.

Stausee bei Kpalimé (Togo)

Wasserfall bei Kpalimé (Togo)

Markt in Kétao (Togo)

Landschaft bei Kétao (Togo)

Die Jungen und der Berg bei Kétao (Togo)

Überlast bei Kétao (Togo)

Dapaong (Togo)

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Einmal Strand und zurück.

Woe ist ein kleiner Ort, der idyllisch auf einer kilometerlangen und stellenweise nur wenige hundert Meter breiten Landzunge zwischen dem Meer und der riesigen Lagune von Keta gelegen ist. Am Strand von Woe, unweit des bekannten Leuchtturms, lerne ich mit Jeff und Kwame mal wieder zwei unterhaltsame Rastafarier kennen. Sie begleiten mich auf meinem Weg zurück und reden mit mir nur über die wirklich wichtigen Dinge im Leben – und dazu zählen berufliche Werdegänge und der tägliche Broterwerb freilich nicht.

Am Strand von Woe (Volta Region, Ghana)

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„Du allein?!“

Wenn ich den heutigen Tag mit einer Phrase überschreiben sollte, dann wäre es wohl „Du allein?!“ Selten ist mir diese Frage so oft gestellt worden wie an diesem Tag. Es begann bereits mit meiner Ankunft im hübschen Palm Hotel in Somanya und meiner Frage an die Rezeptionistin, wie ich am besten zum Krobo Mountain gelangen würde. Ich kam noch nicht einmal dazu, mein Anliegen komplett vorzutragen, als ich mit großen Augen, einem ungläubigen Kopfschütteln und dem Ausruf „Du allein?!“ unterbrochen wurde. Doch auch im weiteren Verlauf des Tages sollte mir diese Frage noch häufiger begegnen.

Ich sitze im Shared Taxi in Richtung Akuse und erkläre dem Fahrer, dass ich gerne an der Kreuzung vor Krobo rausgelassen werden möchte. Da er einen verdutzten Gesichtsausdruck macht und ich glaube, er habe mich nicht richtig verstanden, wiederhole ich meinen Zielort in unterschiedlichsten Artikulationsvarianten, woraufhin er sich mit seiner Beifahrerin zu verständigen beginnt. Sie dreht sich um und fragt mich, wohin ich denn ganz genau wollen würde. „Ach“, antworte ich ihr, „ich möchte nur auf den Berg wandern.“ Plötzlich wenden sich auch die beiden Frauen neben mir um, sodass sie mir direkt ins Gesicht blicken können, und nahezu simultan erschallt es aus ihren Mündern: „Du allein?!“ In diesem Moment meldet sich auch der Fahrer zu Wort und bemerkt, dass es von der Kreuzung bis zum Berg noch ein langer Weg sei und ob ich mir das wirklich zutrauen würde. „Ja“, antworte ich ihm und wenige Minuten später stehe ich an der besagten Kreuzung.

Krobo Mountain (Eastern Region, Ghana)

Auf meinem Weg in Richtung Berg laufe ich an ein paar abgeschieden gelegenen Grundstücken vorbei. Eine Frau im Liegestuhl winkt mich plötzlich heran und möchte wissen, wohin ich denn unterwegs sei. Ich erkläre es ihr und auch ihr halb überraschter, halb ungläubiger Ausruf …

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Der große Baum

Heute will ich endlich den größten Baum Westafrikas sehen, den „Big Tree“ („großer Baum“), wie er von den GhanaerInnen der Einfachheit halber genannt wird. Der Weg dorthin ist nicht weit – nur etwa 45 Minuten dauert die Tro-tro-Fahrt.

Irgendwo am Straßenrand mitten in einem Wald werde ich rausgelassen und stehe auch schon vor einem kleinen Häuschen aus dem heraus mir ein junger Mann Eintrittskarten in Wert von 5 Cedi verkaufen will, was etwa 2,50 Euro entspricht und ein unverschämt hoher Preis ist. Es gelingt mir, den Eintritt auf 2 Cedi herunterzuhandeln und im Gegenzug erhalte ich zwei Karten, von denen jede jeweils 1 Cedi wert ist – womit der junge Mann zwar nicht den Sonderpreis für ahnungslose TouristInnen, aber nach zähen Diskussionen immerhin noch den doppelten Gewinn einfahren konnte.

Ein wenig verärgert über die erneute Preisfeilscherei mit einem Ghanaer, der weiße BesucherInnen erstens für reich und zweitens für dumm zu halten scheint, laufe ich den breiten Pfad in den Wald hinein, der mich zum großen Baum führen soll. Der Kartenverkäufer, der bereits während der Diskussion über den Eintrittspreis meinte, dass darin auch seine Begleitung enthalten sei, woraufhin ich ihm entgegnete, dass ich den Weg auch schon alleine finden werde, trottet mir nun in einem Abstand von zehn Metern hinterher und setzt sich am Ende des Weges unverstellt bockig auf eine Bank, von wo aus er mich keines Blickes mehr würdigt.

Ich stehe nun vor dem berühmten Baum und da ich weder ohnmächtige Überwältigung noch hinreißende Freude verspüre, nehme ich mit Gedanken an den völlig überzogenen Eintrittspreis meine Fotokamera in die Hand, um wenigstens das Gefühl zu haben, der Ausflug habe sich gelohnt. Zum Abschluss laufe ich, weil es bestimmt zum guten Ton gehört, noch eine Runde um den Baum herum, finde ihn immer noch nicht sonderlich überwältigend und packe meine …

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Abendsonne am Motorway.

Nach einem langen und sehr schönen Tag laufe ich am Motorway im Stadtteil Lapaz, für dessen Verbreiterung bisher zahlreiche Grundstücke, Verkaufsstände sowie ganze und sogar lediglich halb abgetragene Häuser weichen mussten, der orangefarbenen Sonne entgegen. Aus der richtigen Perspektive kann sogar der gesundheits- und umweltbelastende Verkehr der Hauptstadt romantisch wirken.

Sonnenuntergang in Accra (Ghana)

In Erinnerung an eine tolle gemeinsame Zeit mit J., mit dem ich ein ganz wunderbares Wochenende zwischen Gruppenfotos in New Ningo, Kneipen in Tema, Kunstmarkt in Osu, Strandparty am Kokrobite und dem Motorway in Lapaz verbracht habe.

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Smalltalk in Uniform.

Auf meinem Weg zum Strand von Prampram laufe ich an einer Polizeistation vorbei, vor der etwa fünf BeamtInnen unverkennbar gelangweilt herumsitzen. Ich kümmere mich nicht weiter darum, bis ich von einem Polizisten mit dem berühmten Ruf „Bra!“, was „Komm!“ bedeutet, herbeizitiert werde. Ich ahne bereits, welche Art der Konversation jetzt folgen wird und habe eigentlich überhaupt keine Lust auf den stets gleich verlaufenden Smalltalk mit ghanaischen Männern, fühle mich aufgrund seiner Uniform aber dazu genötigt, anzuhalten und mit ein paar Schritten Distanz zu ihm auf den Beginn des gewohnten Fragespiels zu warten.

Sonnenuntergang überm Strand von New Ningo (Greater Accra Region, Ghana)

„Wohin gehst du?“, „Woher kommst du?“, „Was ist deine Mission?“, „Wie heißt du?“, „Bist du verheiratet?“ und zu guter Letzt die berüchtigte und alles krönende Frage, die gleichermaßen an Lästigkeit kaum zu übertrumpfen ist: „Kann ich deine Nummer haben?“

Nachdem das komplette Programm männlicherseits abgespult ist, bin für gewöhnlich ich am Zug und erkläre auch diesem wenig freundlich wirkenden Beamten in Uniform, dass ich meine Telefonnummer nur meiner Familie und meinen FreundInnen gebe. Typischerweise entgegnet auch er wie aus der Pistole geschossen „Ich kann dein Freund sein“, woraufhin ich ihm antworte, dass ich niemanden als FreundIn bezeichne, den oder die ich seit nicht einmal fünf Minuten kenne. Der Polizist lacht über meine mittlerweile standardisierte Antwort und probiert – wie alle anderen vor ihm ebenfalls – noch einmal mit bereits oft gehörten und ebenso wenig überzeugenden Argumenten an meine Nummer zu kommen. Nach zwei weiteren gescheiterten Versuchen und der unmissverständlichen Aussage „Ich gebe dir meine Nummer nicht“, stellt er schließlich die in den absurdesten Situationen immer wieder verlautbarte und absolute Verzweiflung offenbarende Frage „Warum?“

Allmählich verliere ich die Geduld und gebe dem Mann zu verstehen, dass ich weiterlaufen möchte. Nach einer weiteren höflichen, aber bestimmt formulierten Erklärung …

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„Hauptsache, es wird gesund!“

Die aktuelle Ausgabe des SPUNK, der Bundeszeitung der GRÜNEN JUGEND, widmet sich dem Themenfeld Gesundheit. Auch ich habe mal wieder einen Artikel geschrieben – diesmal geht es um die Schwangerschaftskonfliktberatung und meine Kritik am Umgang mit Behinderung in unserer Gesellschaft, der sich selbst im Strafgesetzbuch manifestiert.

Die online-Version meines Artikels „‘Hauptsache, es wird gesund!’ – Schwangere im Konflikt“ befindet sich hier.

Über Feedback und eure Meinung zu diesem Thema freue ich mich natürlich sehr!

picture: Torsten Mangner / license: creative commons

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Und auf dem Bahnhof ist Markttag.

Bevor ich die Gleisanlagen betrete, blicke ich mich gewohnheitsmäßig nach links und rechts um. Obwohl ich natürlich weiß, dass hier schon seit Jahren kein Zug mehr eingerollt ist, fühle ich mich dennoch zum obligatorischen Sicherheitsblick in beide Richtungen veranlasst.

Bahnhof in Tarkwa (Western Region, Ghana)

Ich stehe mitten auf dem Bahnhof von Tarkwa und vor meinen Augen überqueren zahlreiche Frauen, die riesige Schüsseln mit Waren auf dem Kopf tragen, die Gleise. Eben dort tummeln sich auch einige Hühner und Ziegen, die sich an weggeworfenen Speiseresten laben. An der Stelle, an der einmal der Fahrkartenschalter war, haben einige VerkäuferInnen ihre Waren ausgebreitet und die Unterführungen zwischen den Bahnsteigen dienen als Lagerräume für Mehl und Trockenfutter. Mitten auf dem Hauptbahnsteig hat ein Mann sogar ein kleines Zelt aufgebaut, welches ihm sicherlich als Rückzugsmöglichkeit für das übliche Nickerchen am Nachmittag dient und auch sonst wird jede Nische des Bahnhofs ganz pragmatisch den Zwecken der VerkäuferInnen entsprechend für ihre individuellen Bedürfnisse umfunktioniert.

Tarkwa ist eine lebendige Stadt, die als Handelszentrum für das gesamte Umland zwischen Takoradi und Kumasi dient. Und auf dem Bahnhof ist jeder Tag ein Markttag.

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Mensch und Natur.

An diesem angenehm kühlen Morgen bin ich mit Janet zu einer Wandertour verabredet. Gemeinsam mit zwei weiteren Freunden nehmen wir ein Taxi in ein Nachbardorf, das zum Ausgangspunkt unserer Wanderung werden soll. Spontan erklären sich drei Feldarbeiter bereit, uns zu ein paar neckischen, aber eher unspektakulären Felsen in der Umgebung zu führen. Sie schlagen uns den hin und wieder zugewachsenen Weg frei, warnen uns vor losen Felsbrocken oder stacheligen Gewächsen und möchten zum Abschied auch gerne auf einem Gruppenfoto sein.

Nach einem erholsamen und erfrischenden Zwischenstopp im Sweet Memories Hotel verabschiede ich mich von den Jungs, packe meine Sachen zusammen und umarme Janet noch einmal fest, ehe ich meine Reise nach Aburi fortsetze. Ich erreiche die Kleinstadt am Nachmittag und begebe mich direkt in ihren berühmten botanischen Garten. Mein erster Spaziergang durch den Park führt mich zugleich in seine entlegensten Winkel, die offenbar schon seit Jahren nicht mehr gepflegt worden sind. Von daher hätte es mich eigentlich kaum überraschen dürfen, selbst hier über vereinzelte Müllkippen zu stolpern. Dennoch hinterlässt dieser erste Eindruck seine Spuren und ich bin umso enttäuschter, dass sogar auf den Rasenflächen im Hauptbereich des Parks trotz aufgestellter Abfallbehälter sehr viel Müll herum liegt.

Botanischer Garten in Aburi (Greater Accra Region, Ghana)

Als mich ein Mann anspricht, wie mir der Garten gefällt, kann ich meinen Unmut über die liegengebliebenen Wasserpäckchen und Überreste diverser Picknicke nicht verhehlen. Mein Gegenüber kann meine Enttäuschung zwar verstehen, aber offenbar nicht wirklich teilen. Halb entschuldigend, halb rechtfertigend erklärt er mir, dass der Park jeden Morgen gesäubert wird, um dann für die ersten BesucherInnen des Tages wieder in neuer Pracht zu erscheinen – ungünstig nur, dass ich erst am Nachmittag hergekommen bin. Dennoch sollte der Mann Recht behalten: Bei meinem ersten Spaziergang am nächsten Morgen ist der Park tatsächlich sauber und ich …

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Wiedersehen in Begoro.

Vor zwei Monaten war ich zum ersten Mal in Begoro. Da mir das Dorf sehr gefallen hat und ich Janet, der Tochter der Hotelbesitzerin, versprochen habe, garantiert noch einmal zurückzukommen, löse ich mein Versprechen an diesem Wochenende ein. Schon der erste Augenblick des Wiedersehens ist sehr herzlich und Janet und ich genießen den Abend zusammen mit ihrer Schwester, Filmen und gemeinsamem Essen im Hof des Sweet Memories Hotels. Auch dieser Abend wird mit langen Gesprächen unterm Sternenhimmel ein unvergesslicher.

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Zwischen Sandstrand und Sklavenhandel.

Als ich in Busua ankomme, steht die Sonne bereits senkrecht über der Erde. Der kleine Ort, der sich zwischen Takoradi und Cape Three Points, dem südlichsten Punkt Ghanas, befindet, begrüßt mich mit Meeresrauschen und einer fast unmerklichen sanften Brise. Ein Spaziergang führt mich über die belebte Dorfstraße zum schönen Sandstrand, an dem sich bereits viele TouristInnen niedergelassen haben. Der kleine Ort, der lediglich mit Strand-, Bade- und Surfvergnügen für sich werben kann, scheint sich in den letzten Jahren zum beliebten Urlaubsziel gemausert zu haben, was vor allem an der beträchtlichen Anzahl an Hotels in unmittelbarer Strandnähe abgelesen werden kann.

Fort Metal Cross am Hafen von Dixcove (Western Region, Ghana)

Ich setze meinen Spaziergang fort und folge einer schmalen Sandstraße aus Busua heraus, die mich in etwa zwanzig Minuten zum Nachbarort Dixcove bringt. Schon von weitem erblicke ich das mir bereits vertraute Meer von bunten Bootsflaggen, die ein charakteristisches Merkmal ghanaischer Fischerhäfen sind. Ich habe mir vorgenommen, Fort Metal Cross zu besichtigen und noch während ich mich der Festung gemütlichen Schrittes nähere, winkt mich auch schon ein freundlicher Mann herein, der mir die bewegende Geschichte dieses Ortes näherbringen möchte. Während seiner Schilderungen über die Schreckensjahre der Sklaverei, die im Wesentlichen die Vergangenheit des Forts ausmachen, fühle ich mich an eine Passage aus meinem Reiseführer erinnert, in der dessen Zukunft thematisiert wird: Demnach hat ein Brite das Fort erstanden, um darin ein Gästehaus zu eröffnen – mit dem gänzlich geschmacksfreien Vorhaben, das Personal in Kolonialuniform die Gäste begrüßen zu lassen. Während meines Rundgangs durch die Festung kann ich bereits einen Pool mit künstlichem Sandstrand entdecken sowie die ehemalige Offizierswohnung im Obergeschoss, die bereits eine schicke Terrasse mit Blick auf den ehemaligen Sklavenhof ziert: Die private Residenz des neuen Eigentümers und seiner Frau.

Leuchtturm im Hafen von Dixcove (Western …

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In unluftigen Höhen.

Amedzofe, ein hoch in den Bergen gelegenes Idyll, hat sich in den letzten Jahren zu einem beliebten Ausflugsziel für BesucherInnen der Volta Region entwickelt. Dem Einzug des Ökotourismus in das schmucke Dorf sind zwar Eintrittspreise für den von hier aus leicht erreichbaren Mount Gemi und den sehenswerten Wasserfall, aber auch das überraschende Vorhandensein von Müllbehältern am Wegesrand zu verdanken – eine in Ghana leider wahrlich nicht etablierte Institution der Abfallsammlung.

Mount Gemi, einen der höchsten Berge Ghanas, ziert ein vier Meter hohes Kreuz, welches in den 1930er Jahren von deutschen MissionarInnen errichtet worden ist und während des Zweiten Weltkrieges angeblich als Kommunikationseinrichtung gedient haben soll, wenn man der örtlichen Legende Glauben schenken möchte. Der von Amedzofe aus relativ unspektakulär aussehende Aufstieg zum Gipfel des grasbewachsenen Hügels gestaltet sich unter den klimatischen Bedingungen anstrengender als zunächst angenommen.

Aussicht von Mount Gemi (Volta Region, Ghana)

Leider haben Aufstiege in tropischen Regionen im Allgemeinen den gravierenden Nachteil, dass die Luft nach einigen Höhenmetern nicht angenehmer, sondern durch den prallen Sonneneinfluss auf Felsbrocken und Grasflächen weitaus stickiger und schwüler wird. Nur selten weht ein kühler Wind, der dem Bergwandern eine erfrischenden Note geben könnte. Doch einen die Anstrengung entschädigenden Ausblick auf eine herrlich grüne Landschaft ist nach erfolgreichem Aufstieg allemal der Lohn.

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Besteigung des Mount Adaklu

Das Tro-tro rumpelt die wellige Sandstraße entlang und rollt dabei zielstrebig der einzig bemerkenswerten Erhebung in diesem Teil der landschaftlich reizvollen Volta Region entgegen. Mount Adaklu heißt der markant geformte Berg, an dessen Fuß sich das beschauliche Dörfchen Helekpe erstreckt. Nach einer halbstündigen Schaukelfahrt über die rote Schotterpiste stehe ich vor einem Dorfkiosk, an dem ich mir zwei Päckchen Wasser kaufe, und blinzle dem beeindruckenden Berg entgegen.

Mount Adaklu (Volta Region, Ghana)

Eigentlich ist es an diesem Morgen schon viel zu heiß für eine anstrengende Klettertour, aber dennoch will ich den Aufstieg wagen. Ein ortskundiger Reisebegleiter führt mich bis ins bereits etwas höher gelegene Nachbardorf, von wo aus mich ein 14-jähriger Junge in Flip-Flops bis auf den Berg bringen soll. Während mich mein Begleiter aus Helekpe noch vor dem anstrengenden Aufstieg warnt, schaue ich dem Jungen mit dem losen Schuhwerk skeptisch auf die Füße. Doch kurz darauf brechen wir gemeinsam auf und klettern schon nach wenigen Minuten mit vollem Körpereinsatz unter praller Sonne den Hang hinauf. Da nur ich eine Flasche Wasser dabei habe, gebe ich auch meinem kleinen Begleiter immer wieder etwas zu trinken, wodurch sich der Vorrat schnell zu Ende neigt. Nach einiger Zeit erreichen wir eine sehr hoch gelegene Höhle, von der wir einen wunderbaren Blick auf die Umgebung genießen können. Wir teilen die letzten Wassertropfen unter uns auf und ich beschließe, es bei diesem schönen Ausblick zu belassen. Eine angenehme Pause unterm schattigen Felsvorsprung lässt den Schweiß trocknen und uns wieder Kraft tanken, die wir für den Abstieg brauchen werden.

Nach einer knapp dreistündigen Wanderung wieder im Dorf Helekpe angekommen, verabschiede ich mich mit einem Trinkgeld von meinem jungen Begleiter und spendiere noch eine Runde Bananen für alle Kinder, die uns vom Nachbardorf bis hierher gefolgt sind. Ich winke der bunten Kinderschar noch einmal …

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Dass das Feuer nicht aufhört zu brennen.

Feuer

„Denn das Wichtigste ist,
Dass das Feuer nicht aufhört zu brennen.
Denn sonst wird es ganz bitterlich kalt.
Ja, die Flammen im Herzen,
Die sind durch nix zu ersetzen.
Darum halt sie am Laufen mit aller Gewalt!“

(Jan Delay: Feuer)

picture: lebastian / license: creative commons

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Accra – Liebe auf den zweiten Blick

Zunächst noch als uninteressanten Ort mit nervigem Verkehr und deutlich überschätzten Sehenswürdigkeiten in meine Liste der dringlichst zu umgehenden Städte aufgenommen, entdecke ich Accras nette Seiten erst bei meinem dritten Besuch in dieser Stadt.

Zwar gibt es an diesem Wochenende nichts, das mir nicht schon bekannt vorkommen würde, aber dennoch gefällt mir die laute Großstadt doch ein bisschen mehr als beim letzten Mal – was mit Sicherheit auch an meinen Reisebegleiterinnen liegen dürfte, die ich immerhin schon seit knapp zwei Monaten nicht mehr gesehen habe und mit denen ich vor allem das Nachtleben in vollen Zügen genießen kann.

Wieder einmal einen lieben Dank an B. und S., die mir die laute Großstadt doch ein wenig schmackhaft gemacht haben!

picture: S Martin / license: creative commons

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„Der Burgwart ist im Gottesdienst!“

Unweit von Takoradi entfernt liegt Shama, ein kleines Dorf an der ghanaischen Küste, das eigentlich nichts Besonderes zu bieten hat. Ich möchte einen kurzen Spaziergang durch den Ort machen und dabei gerne Fort Sebastian, die drittältesten Burg Ghanas, besichtigen. Beim Betreten des Burghofs wundere ich mich, dass ich nirgendwo einen Menschen entdecken kann. Ich sehe mich etwas um, kann aber immer noch niemanden finden. Eigentlich möchte ich nicht ungefragt über das Gelände spazieren, da ich aber niemanden sehen und um Erlaubnis fragen kann, setze ich meinen Rundgang nach einer Weile einfach fort.

Fort Sebastian in Shama (Western Region, Ghana)

Als ich die Burg verlasse, um sie noch einmal von außen zu fotografieren, werde ich von zwei Männern am Straßenrand angesprochen. Sie haben mich offenbar erst jetzt bemerkt und fragen, warum ich niemanden um Erlaubnis zum Fotografieren der Burg gebeten habe. Als ich ihnen antworte, dass ich bisher niemanden entdecken konnte, den ich hätte fragen können, meinen sie, dass ich sie hätte ansprechen können – wobei dies nicht das erste Mal in Ghana ist, dass mir irgendwelche Menschen auf der Straße sagen, ich hätte ausgerechnet sie um Erlaubnis für das Fotografieren eines Gebäudes bitten müssen.

Dann fragen mich die beiden Männer, warum ich am Sonntagmorgen denn nicht in der Kirche bin – was ich im Übrigen auch sie hätte fragen können – und schauen mich verdutzt an, als ich zum ersten Mal in meinem Leben die Antwort gebe, Agnostikerin zu sein. Natürlich wäre die an dieser Stelle aufflammende Glaubensdiskussion im Vornherein vermeidbar gewesen, da ich mich aber immer ehrlich und respektvoll verhalten möchte, beantworte ich ihnen alle Fragen wahrheitsgemäß und werde dafür mit belustigten Gesichtsausdrücken belohnt. Nach einer Weile gebe ich den beiden Männern zu verstehen, dass ich meinen Weg nun gerne fortsetzen möchte, woraufhin sie sich von mir …

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Kein Zug nach nirgendwo.

Endlich stehe ich vor dem mächtigen Bahnhofsgebäude, welches zumindest den äußerlichen Anschein hegt, als führe hier immer noch ein paar Mal am Tag ein Zug ein und aus. Doch statt fahrtüchtigen Zügen und belebten Bahnsteigen erblicke ich lediglich eine alte Anzeigetafel, an die das Bahnhofspersonal die überschaubaren Abfahrtszeiten einst mit Kreide angeschrieben haben muss.

Ein Angestellter der ghanaischen Zugverkehrsgesellschaft, der mich zunächst eine Weile beobachtet, erzählt mir später, dass im Jahr 2006 der letzte Personenverkehrszug im Bahnhof von Takoradi eingerollt ist. Ein wenig wehleidig erinnert er sich an die alten Zeiten und wirkt auch nicht wirklich zuversichtlich, als er mir vom guten Willen der Regierung und angeblichen Interessen ausländischer Sponsoren erzählt.

Bahnhof in Takoradi (Western Region, Ghana)

Einst verkehrten im Dreieck Accra – Kumasi – Takoradi zahlreiche Personenverkehrszüge, doch angesichts einer zwölfstündigen Zugfahrt von Takoradi nach Kumasi, die mit dem Tro-tro in knappen fünf Stunden zurückgelegt werden kann, horrenden Preisen, sinkender Nachfrage und vernachlässigten Wartungsarbeiten musste der Personenverkehr leider eingestellt werden. Heute werden lediglich Güter transportiert und die alten Personenwagen sehnen sich auf den rostigen und verwilderten Abstellgleisen nach besseren Zeiten.

Für meine lieben Freunde P., M. und R. in Erinnerung an die schönsten Zugreisen meines Lebens.

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